Goldene Wall Of Worry?

Ich lese ja ziemlich viele Analysen und Kommentare zum Gold- und Silbermarkt und ebenfalls lese ich so einiges über die Edelmetallproduzenten. Was derzeit schon sehr auffällig ist, ist das fast jeder der Analysten, welchen man ein gewisse Kompetenz nachsagen könnte, derzeit von zumindest einer ausgeprägteren Konsolidierung ausgeht. Einige rechnen sogar damit, dass der Anstieg dieses Jahres auch nochmals komplett zurückgehandelt werden sollte. Auch im HUI steht die kurzfristige Mindesterwartung bei dem offenem GAP im Bereich von 135 Punkten.

Unter „gewisse Kompetenz nachsagen“ meine ich, dass es sich hierbei um jene Kommentatoren handelt, welche auch während der ganzen Baisse immer wieder eine Analyse gewagt haben. Somit kann man diesen natürlich auch ein gewisses Faible für Edelmetalle nachsagen, ob es sich hier um echte Kompetenz handelt weiß ich nicht. So oft wie die letzten vier Jahre ein Ende der Baisse ausgerufen wurde, gilt natürlich auf für diese oft das Sokrates Prinzip: „Der Klügste weiß, dass er nichts weiß.“

Aber egal, der Goldpreis ist in der letzten Woche auf ein neues Jahreshoch gestiegen und auch der Silberpreis konnte wieder zulegen. Ebenfalls zeigt uns der HUI ein neues Jahreshoch. Ein dementsprechendes Verhalten – zunehmende Sorgen gepaart mit steigenden Kursen – lässt mich zumindest vermuten, dass sich die Edelmetallnotierungen derzeit an einer „Wall of Worry“ hochziehen. Auffallend ist zudem auch die starke physische Nachfrage, bei einem eher manipulativ wirkenden Terminmarkt. Aber dazu später mehr.

Wenn ich an die „Mauer der Sorgen“ denke, dann kommt mir auch öfter der Gedanke, an den „Weg der größten Schmerzen“. Gerne beschreiten Börsen nämlich jenen Weg, an dem sich die meisten Marktteilnehmer am falschen Fuß erwischt fühlen. Gibt es etwas Schlimmeres für einen „Goldbug“, als bei einem Anstieg nur teilweise oder gar nicht investiert zu sein? „The maximum pain“ muss nicht immer in fallenden Kursen zu finden sein. Technisch wäre zumindest nun der Weg frei bis in den Bereich USD 1310 – 1340. Es sollte uns also nicht überraschen, wenn wir kurzfristig noch Preise über 1300 USD sehen, um auch noch die letzten Zweifler schnell in den Markt zu locken.

Eindeutig weiter zu mehr als Vorsicht mahnt der Terminmarkt. Zwar stieg der Silber Index leicht auf 12 Punkte, der Gold Index fiel jedoch auf 17 Punkte und somit notieren nun beide Metall im Verkaufsbereich. Da mir die Terminmarktdaten in den letzten Jahren, stets ein guter Ratgeber waren, und es nur sehr wenig Konstellationen gab, an jenen eine derartige Datenlage nicht zu einen starken Abverkauf geführt hatte, möchte ich trotz meiner „Wall of Worry“ – Vermutung nun nicht ganz auf die Analyse der CoT Daten verzichten und in der aktuellen Gemengelage überdurchschnittliche flexibel und achtsam sein.

Natürlich, kein System funktioniert ewig und kein System funktioniert immer, aber „Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht.“ Darum werde ich an meiner Vorgehensweise auch solange nichts ändern, bis das Gegenteil, oder dessen Versagen, bewiesen ist. Seit zwei Wochen fahre ich im Wikifolio also mit angezogener Handbremse. Die Cashquote liegt bei stattlichen 43 % und letzte Woche habe ich nur minimale Positionsveränderungen durchgeführt.

Abwarten heißt das Gebot der Stunde. Alles auf die Terminmarktanalyse zu setzten, hätte mich das neue Jahreshoch letzte Woche versäumen lassen. Sich von den ständig steigenden Kursen mitreißen zu lassen und „All in“ zu gehen, scheint mir aber auch zu gefährlich, da es derzeit seitens des Terminmarktes keinen analysierbaren Grund dafür gibt. Aufgrund von Emotionen oder eines guten Gefühls möchte ich aber auch kein unkalkulierbares Risiko eingehen, auch wenn ich mit dieser Vorgehensweise, im Ranking der Edelmetallminen-Wikifolios weiter zurückfalle. Lange führte das „Gold & Silber Majors“ Wikifolio dieses Ranking an und diese „explosive“ Performance am Beginn dieser Aufwärtsbewegung, verdanke ich der geduldigen Analyse der Terminmarktdaten.

Aber wie schon anfangs beschreiben. Mich würde es nicht wundern, wenn wir bei Gold noch Notierungen im Bereich USD 1325 sehen, bevor die erwartete Konsolidierung einsetzte.

Zwei Dinge muss ich aber noch erwähnen, welche kurzfristig schnell zum Problem für weiter steigende Notierungen werden könnten. Bei einem „angeschlagenen“ Terminmarkt und einem Preisanstieg, der sich hauptsächlich physisch begründen lässt, genügt oft ein Wort eines Big Players (FED, EZB, …), um einen Kursrutsch größer 100 Dollar auszulösen. Auch die Tatsache, dass die letzten Tage die Minenwerte zum Handelsstart förmlich explodieren, um dann im weiteren Tagesverlauf diese Gewinn größtenteils wieder abzugeben, spricht eher dafür, dass Minenaktien derzeit von den starken in die schwachen Hände gereicht werden.

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