Schlagwort-Archive: Zinsen

Negativer Realzins Ante Portas

Der Realzins fällt dann, wenn die Inflationsrate relative Stärke gegenüber der Rendite zeigt. Eine solche Entwicklung ist seit dem Herbst 2015 im Gange. Gestern wurde bekannt gegeben, dass die US-April-Inflationsrate gegenüber dem März um – den Konsens übertreffende – 0,4 Prozent stieg.

Seitens der für die Geldpolitik verantwortlichen Personen wird der Rohstoffpreisanstieg der letzten Wochen (noch) klein geredet, obwohl man schon heute davon ausgehen kann, dass bei gleichbleibenden Verhältnissen die US-Inflationsrate zum Jahresende bei 2,4 % liegen wird. Tritt dieses Szenario ein, dann wird – bei gleichbleibenden Renditen – der Realzins spätestens im Herbst negativ.

Der fallende Realzins sollte die Edelmetalle stärken, insbesondere Gold, aber auch Silber. Im Vergleich zu den Aktienmärkten erscheint eine größere Gewichtung von Minen und Gold/Silber im Hinblick auf die kommenden 12 Monate opportun zu sein. Wenn es so kommt wie beschrieben, ist man dort „sicherer“ unterwegs als an den Aktienmärkten. Sollten die Renditen am langen Ende hingegen im gleichen Takt wie die Inflationsrate steigen, wäre der Vorteil der Edelmetalle dahin. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.

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The Great Absurdity

Die niedrigsten Zinsen in 5000 Jahren – Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte. Wie verrückt die heutigen Zeiten sind und wie schlimm es um unsere Wirtschaft wirklich stehen muss, zeigt wohl am besten die Tatsache, dass wir in einer Zeit ohne historischen Vergleich leben. Verrückt erscheint auch die Tatsache, dass man ernsthaft zu glauben scheint, den größten Schuldenberg aller Zeiten mit einem noch größeren Schuldenberg bekämpfen zu können und der Staat – also die Summe aller Bürger – wirklich jede Last tragen kann, ohne irgendwann für seine wirtschaftlichen Fehltritte bezahlen zu müssen.

Jener Marktmechanismus, welcher der maßlosen Überschuldung Einhalt gebieten sollte, wurde seitens der Zentralbanken und Regierungen völlig außer Kraft gesetzt. Die Disziplinierung der Schuldner über den Preis eben dieser Schulden oder über deren Konkurs wurde für die größten Schuldner aller Zeiten, die Staaten, ausgesetzt. Der Zauberlehrling lässt grüßen. Nur, dass der Zauberlehrling zumindest der Lehrling eines echten Zauberers war. Unsere heutigen Entscheidungsträger sind nur mehr die Lehrlinge von gelernten Politikern und Bürokraten mit Allmachts-Phantasien ohne drei Zentimeter wirtschaftlichem Verständnis, jedoch echte Weltmeister im Ausgeben fremden Geldes, in der Etablierung eines hoch ineffizienten Bürokratismus und der Gabe zur „Verschlimmbesserung“. Zugute halten kann man ihnen wirklich nur mehr, dass sie entweder keine andere Möglichkeit mehr haben, wovon ich ausgehe, oder es wirklich nicht besser wissen, was ein noch größere Katastrophe wäre.

Unsere Staatenlenker, Ökonomen und Wirtschaftsweisen haben uns – bewusst oder unbewusst – direkt aus der „Great Recession“ in die „Great Absurdity“ geführt. Wie lange sich ein derart irres System halten kann mag ich nicht beurteilen. Ich fürchte jedoch wesentlich länger als wir alle es uns vorstellen können, den der Einfluss des Staates – zugunsten der Vernunft – wird weiter zunehmen und die kommenden Jahre werden von noch mehr Absurditäten und noch mehr unvorstellbarer Unvernunft geprägt sein. Am Ende der „Great Absurdity“ wird jedoch das Ende des Rechtsstaates, das Ende des freien Marktes und das Ende unserer Freiheit stehen. Historiker werden in vielen Jahren mit großen Augen auf die Naivität, Dummheit und Unvernunft dieser Zeiten zurückblicken.

 

Marc Faber: Glaube an Zentralbanker ist größte Blase

„Laut Faber hätten die Zinssätze schon vor langer Zeit erhöht werden müssen, um die Märkte weiter korrigieren zu lassen und z.B. Immobilien erschwinglicher zu machen. Realeinkommen seinen in den vergangenen 15 Jahren in den USA für den Durchschnittshaushalt gesunken. Stattdessen hätten sie steigen müssen, um eine gewisse Erschwinglichkeit beispielsweise im Wohnungsmarkt zu erzeugen.

Den US-Aktienmarkt hält der Investmentexperte im Vergleich zu beispielsweise dem europäischen Markt für absolut unattraktiv.

Nach der größten Blase gefragt ist sich Faber sicher: „Die größte Blase ist der Glaube daran, dass die Zentralbanker wissen was sie tun. Denn sie haben keine Ahnung.“

Vollständiger auf www.goldseiten.de veröffentlichter Artikel.

Yellen, der Dollar und warum sie von dessen Stärke die Nase voll hat

Auch wenn man heute in der „normalen“ Presse überall lesen kann, dass FED Chefin Yellen gestern den Weg in Richtung Zinserhöhung geebnet hat, so würde ich den Ausfluss der gestrigen FED Sitzung eher in eine andere Richtung interpretieren.

Auch wenn ich die Wortklauberei rund um die Formulierungen der FED Vorsitzenden etwas kurios finde, so möchte ich hier doch dieses semantische Spiel mitspielen. Was ist passiert? Ja das Wort „geduldig“ wurde gestrichen. Ein Schritt mit dem die Marktteilnehmer gerechnet haben. Es wurde jedoch nicht ersatzlos gestrichen, was viele als ein Zeichen für einen in kürze folgenden Zinsschritt interpretiert hätten. Aus „geduldig“ wurde nun „flexibel“ und das schiebt den Zinsschritt auf der Zeitachse der Beobachter nun einmal ein wenig weiter nach hinten. Ja, Yellen hat mit ihrer „milderen“ Formulierung viele überrascht. Das „Warum?“ sollte uns hier aber nicht wirklich überraschen.

Viele US-Frühindikatoren haben die letzten Wochen negativ überrascht. Das erwartete Wirtschaftswachstum für die USA im 1. Quartal liegt nun bei nur mehr 0,3 %. Gleichzeitig ist das Inflationsziel der FED von 2 % in weite Ferne gerückt. Eine „brummende“ Wirtschaft sieht in den Augen der Vorsitzenden anders aus.

Die FED-Chefin ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin. Dieser Indikator ist derzeit noch das einzige was in den USA positiv ist. Aber auch hier zeigte die letzte Veröffentlichung der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung keine Besserung mehr. Yellen ist ziemlich sicher klar, dass ein starker Dollar Arbeitsplätze exportiert.

Das echte Statement der gestrigen Sitzung wird also schnell klar: Es reicht ihr mit dem starken Dollar, genug ist genug. Alles andere wäre aus ihrer Sicht ja auch ziemlich verrückt. Warum sollte Sie in Zeiten von niedrigster Inflation und schwächelnder Wirtschaft einen frühen Zinsschritt riskieren, den Dollar somit weiter stärken und das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum noch mehr gefährden? Das kann sie nicht wollen und das wird sie auch zu verhindern wissen.

Wenn ich mir die Faktenlage ansehe, dann würde es mich nicht überraschen, wenn 2015 gar kein Zinsschritt mehr kommen würde. Vielleicht wird es einen minikleinen geben, um das Gesicht nicht komplett zu verlieren, aber mehr sollte es nicht werden.

Die gestrige Marktreaktion unterstreicht meine Annahme. Der USD-Index fiel wie ein Stein, ebenso die Renditen der US-Anleihen, Rohstoffe und Gold zogen an. Ebenso zeigten US-Aktien Stärke.

Rechnen Sie also in den nächsten Wochen mit einem steigenden Euro, steigenden Rohstoffpreisen und fallenden US-Renditen. Rechnen Sie auch damit, dass US-Aktien in den kommenden Wochen eine bessere Performance zeigen werden als der DAX, denn das mittelfristige Ziel von Yellen wird eine höhere Inflationsrate sein. Alles andere würde in dem beschrieben Gemenge doch mehr als überraschen.

Besonders Gold in USD abgerechnet und Minenwerte sollte aus der Mischung steigender Inflation und fallender Rendite profitieren können. Kein anderer Wert reagiert so sensibel auf eine sinkende Realverzinsung.

Parabolische Zinsentwickung

Interessante Gedanken von Manfred Hübner zur Zinsentwicklung:

Bei 30 Jahren Laufzeit bedeutet dies, dass ein Investor eine Währungsabwertung um rund 45% durch den Zinsvoraus ausgleichen könnte! Zieht man nun in Betracht, dass die meisten Investoren derzeit an eine Abwertung des Euros (!) glauben, wird die Absurdität des aktuellen Zinsgefüges deutlich.

Solch große Zinsabstände sind auf Dauer nur zu rechtfertigen, wenn das Land mit den höheren Zinsen (!) die schwache Währung besitzt. Die Konsequenz dieser Analyse lautet deshalb: Entweder sinkt die Zinsdifferenz zwischen den USA und Deutschland künftig wieder und / oder die Wechselkurse müssten sich wieder zu Gunsten des Euros normalisieren. Dass dies passiert, ist nicht eine Frage des „ob“, sondern des „wann“. Denn bei freien Märkten handeln die einzelnen Bondmärkte nicht im luftleeren Raum, sondern sind wie kommunizierende Röhren miteinander verbunden.“

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QE – vom Irrtum der fallenden Zinsen

Gestern konnten wir beobachten, wie die US Renditen weiter anzogen. Einige Widerstände konnten dabei gebrochen werden, sodass wir in den nächsten Wochen weiter anziehende US-Renditen erwarten sollten. Auch der Bund-Future verlor gestern stark.

Generell wird gerne behauptet, dass QE die Zinsen fallen lässt. Folgender Chart der Wellenreiter entlarvt diese Annahme als falsch.

In den ersten Wochen nach Umsetzung von QE durch die FED konnte man immer anziehende Renditen beobachten. Auch wenn die Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Entwicklungen gibt, so sollte man diese Variante solange als das wahrscheinlichere Szenario erachten, bis ihr Gegenteil eingetreten ist.

Als weiteres Mosaiksteinchen sind die Renditen der 10-jährigen japanischen Anleihen zu erwähnen. Diese haben sich – trotz Abenomics – die letzten Wochen verdoppelt.

Aufgrund meiner Annahme der zumindest kurzfristig weiter anziehenden Renditen in den USA und Europa habe ich Hebelprodukte in mein Wikifolio „ET ValueScout Performance“ aufgenommen, um von dieser Entwicklung zu profitieren. Der Bund-Future Short notiert derzeit mit 15 %, der T-Note Short mit 53 % im Plus.

Kommentar: Vale

Die Entwicklung von Vale ist derzeit schlichtweg enttäuschend. Dem Minus von zirka 10 % seit Jahresbeginn stehen jedoch ein KGV von 6 und eine Dividendenrendite von ebenfalls 6 gegenüber.  Die angekündigte, straffere Geldpolitik hinterlässt derzeit Ihre Spuren auf den Märkte der Schwellenländer, auch wenn ein höheres US-Zinsniveau sich auf das eher gering in US-Dollar  verschuldete Brasilien nicht so drastisch auswirken sollte. Eine echte Differenzierung unter den Investoren dieser Thematik bezüglich sieht man derzeit nicht. Die Erinnerungen an so machen Schwellenländer-Krisen, die ihren Ausgang in steigenden US-Zinsen nahmen, lassen derzeit so eine Differenzierung wahrscheinlich noch nicht zu.

In der aktuellen Bewertung von Vale sollte schon viel dieser Angst eingepreist sein. Oft genügt bei Aktien in vergleichbaren Situationen ein kleiner Funke, der die vorherrschenden Ängste ein nimmt und den Kurs beflügelt. Negative Erwartungshaltungen neigen oft dazu positiv überrascht zu werden. Ich erachte derzeit die Wahrscheinlichkeit für eine solche Entwicklung als hoch, sodass ich hier keine voreiligen Schlüsse ziehen möchte und den Wert, auch wenn er derzeit die Performance im Wikifolio bremst, doch weiter – wenn auch unter Beobachtung – halten werden.