Archiv der Kategorie: Volkswirtschaft

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Die Renditen 10 jähriger Schweizer Anleihen rentieren aktuell bei -0,52 %, die Deutschlands bei -0,33 %, Dänemark bei -0,26 %, die Niederlande bei -0,16 %, Österreich bei -0,04 %, Finnland bei -0,03 %. Frankreich und Schweden stehen mit einer Rendite von 0,01 % am Tor zu negativen Zinsen. Die Zinstiefs aus dem Jahr 2016 sind in Europa unterschritten worden und die Tendenz liegt bei weiter fallenden Zinsen.

Renditen 25-6-2019

Heute habe ich gelesen, dass bereits Anleihen im Wert von 13 Billionen USD negativ verzinst werden. Dem gegenüber stehen gut 193.500 Tonnen Gold, die wir auf der Erde haben. Der Wert allen Goldes beträgt somit gut 9 Billionen USD. Wenn man davon ausgeht, dass die Lagerkosten von Gold bei durchschnittlich gut 30 bis 35 Basispunkten pro Jahr liegen, dann ist mittlerweile ein Punkt erreicht, wo es günstiger wird Gold zu halten, als Gläubiger eines europäischen Landes zu sein. Ganz davon abgesehen, dass man als Goldinvestor etwas in seinen Händen hält und nicht auf eine Versprechen in die Zukunft vertrauen muss.

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Negativer Realzins Ante Portas

Der Realzins fällt dann, wenn die Inflationsrate relative Stärke gegenüber der Rendite zeigt. Eine solche Entwicklung ist seit dem Herbst 2015 im Gange. Gestern wurde bekannt gegeben, dass die US-April-Inflationsrate gegenüber dem März um – den Konsens übertreffende – 0,4 Prozent stieg.

Seitens der für die Geldpolitik verantwortlichen Personen wird der Rohstoffpreisanstieg der letzten Wochen (noch) klein geredet, obwohl man schon heute davon ausgehen kann, dass bei gleichbleibenden Verhältnissen die US-Inflationsrate zum Jahresende bei 2,4 % liegen wird. Tritt dieses Szenario ein, dann wird – bei gleichbleibenden Renditen – der Realzins spätestens im Herbst negativ.

Der fallende Realzins sollte die Edelmetalle stärken, insbesondere Gold, aber auch Silber. Im Vergleich zu den Aktienmärkten erscheint eine größere Gewichtung von Minen und Gold/Silber im Hinblick auf die kommenden 12 Monate opportun zu sein. Wenn es so kommt wie beschrieben, ist man dort „sicherer“ unterwegs als an den Aktienmärkten. Sollten die Renditen am langen Ende hingegen im gleichen Takt wie die Inflationsrate steigen, wäre der Vorteil der Edelmetalle dahin. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.

The Great Absurdity

Die niedrigsten Zinsen in 5000 Jahren – Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte. Wie verrückt die heutigen Zeiten sind und wie schlimm es um unsere Wirtschaft wirklich stehen muss, zeigt wohl am besten die Tatsache, dass wir in einer Zeit ohne historischen Vergleich leben. Verrückt erscheint auch die Tatsache, dass man ernsthaft zu glauben scheint, den größten Schuldenberg aller Zeiten mit einem noch größeren Schuldenberg bekämpfen zu können und der Staat – also die Summe aller Bürger – wirklich jede Last tragen kann, ohne irgendwann für seine wirtschaftlichen Fehltritte bezahlen zu müssen.

Jener Marktmechanismus, welcher der maßlosen Überschuldung Einhalt gebieten sollte, wurde seitens der Zentralbanken und Regierungen völlig außer Kraft gesetzt. Die Disziplinierung der Schuldner über den Preis eben dieser Schulden oder über deren Konkurs wurde für die größten Schuldner aller Zeiten, die Staaten, ausgesetzt. Der Zauberlehrling lässt grüßen. Nur, dass der Zauberlehrling zumindest der Lehrling eines echten Zauberers war. Unsere heutigen Entscheidungsträger sind nur mehr die Lehrlinge von gelernten Politikern und Bürokraten mit Allmachts-Phantasien ohne drei Zentimeter wirtschaftlichem Verständnis, jedoch echte Weltmeister im Ausgeben fremden Geldes, in der Etablierung eines hoch ineffizienten Bürokratismus und der Gabe zur „Verschlimmbesserung“. Zugute halten kann man ihnen wirklich nur mehr, dass sie entweder keine andere Möglichkeit mehr haben, wovon ich ausgehe, oder es wirklich nicht besser wissen, was ein noch größere Katastrophe wäre.

Unsere Staatenlenker, Ökonomen und Wirtschaftsweisen haben uns – bewusst oder unbewusst – direkt aus der „Great Recession“ in die „Great Absurdity“ geführt. Wie lange sich ein derart irres System halten kann mag ich nicht beurteilen. Ich fürchte jedoch wesentlich länger als wir alle es uns vorstellen können, den der Einfluss des Staates – zugunsten der Vernunft – wird weiter zunehmen und die kommenden Jahre werden von noch mehr Absurditäten und noch mehr unvorstellbarer Unvernunft geprägt sein. Am Ende der „Great Absurdity“ wird jedoch das Ende des Rechtsstaates, das Ende des freien Marktes und das Ende unserer Freiheit stehen. Historiker werden in vielen Jahren mit großen Augen auf die Naivität, Dummheit und Unvernunft dieser Zeiten zurückblicken.

 

Wir Steueresel …

Kennen Sie Amilcare Puviani? Nein? Sollten Sie aber. Der gute Mann war ein italienischer Ökonom, der sich im ausgehenden 19. Jahrhundert intensiv mit Staatsfinanzierung befasste. Besonders mit der Kunst, Steuerbürgern möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen, ohne dass die die Absicht bemerken und rebellisch werden.

► Staatsausgaben kreditfinanzieren, um die spürbare Belastung auf künftige Generationen zu verschieben.
► Zeitlich befristete Steuern zu kreieren – und dann einfach auf deren Abschaffung zu vergessen.
► Diskussionen um größere Steuerreformen mit der Drohung abwürgen, dass man in diesem Fall diese und jene Leistung streichen müsse.
► Soziale Konfliktdiskussionen provozieren, um damit die zusätzliche Besteuerung von Luxusgütern und unpopulären Personengruppen (Millionäre) zu rechtfertigen.
► Indirekte Besteuerung bevorzugen, denn die lässt sich in den Preisen verstecken.
► Inflation verursachen, um Staatsschulden real zu entwerten.

Lesenswerte Kolumne „Wir Steueresel und unsere fiskalische Illusion“ von Josef Urschitz, veröffentlicht auf diepresse.com

Yellen, der Dollar und warum sie von dessen Stärke die Nase voll hat

Auch wenn man heute in der „normalen“ Presse überall lesen kann, dass FED Chefin Yellen gestern den Weg in Richtung Zinserhöhung geebnet hat, so würde ich den Ausfluss der gestrigen FED Sitzung eher in eine andere Richtung interpretieren.

Auch wenn ich die Wortklauberei rund um die Formulierungen der FED Vorsitzenden etwas kurios finde, so möchte ich hier doch dieses semantische Spiel mitspielen. Was ist passiert? Ja das Wort „geduldig“ wurde gestrichen. Ein Schritt mit dem die Marktteilnehmer gerechnet haben. Es wurde jedoch nicht ersatzlos gestrichen, was viele als ein Zeichen für einen in kürze folgenden Zinsschritt interpretiert hätten. Aus „geduldig“ wurde nun „flexibel“ und das schiebt den Zinsschritt auf der Zeitachse der Beobachter nun einmal ein wenig weiter nach hinten. Ja, Yellen hat mit ihrer „milderen“ Formulierung viele überrascht. Das „Warum?“ sollte uns hier aber nicht wirklich überraschen.

Viele US-Frühindikatoren haben die letzten Wochen negativ überrascht. Das erwartete Wirtschaftswachstum für die USA im 1. Quartal liegt nun bei nur mehr 0,3 %. Gleichzeitig ist das Inflationsziel der FED von 2 % in weite Ferne gerückt. Eine „brummende“ Wirtschaft sieht in den Augen der Vorsitzenden anders aus.

Die FED-Chefin ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin. Dieser Indikator ist derzeit noch das einzige was in den USA positiv ist. Aber auch hier zeigte die letzte Veröffentlichung der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung keine Besserung mehr. Yellen ist ziemlich sicher klar, dass ein starker Dollar Arbeitsplätze exportiert.

Das echte Statement der gestrigen Sitzung wird also schnell klar: Es reicht ihr mit dem starken Dollar, genug ist genug. Alles andere wäre aus ihrer Sicht ja auch ziemlich verrückt. Warum sollte Sie in Zeiten von niedrigster Inflation und schwächelnder Wirtschaft einen frühen Zinsschritt riskieren, den Dollar somit weiter stärken und das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum noch mehr gefährden? Das kann sie nicht wollen und das wird sie auch zu verhindern wissen.

Wenn ich mir die Faktenlage ansehe, dann würde es mich nicht überraschen, wenn 2015 gar kein Zinsschritt mehr kommen würde. Vielleicht wird es einen minikleinen geben, um das Gesicht nicht komplett zu verlieren, aber mehr sollte es nicht werden.

Die gestrige Marktreaktion unterstreicht meine Annahme. Der USD-Index fiel wie ein Stein, ebenso die Renditen der US-Anleihen, Rohstoffe und Gold zogen an. Ebenso zeigten US-Aktien Stärke.

Rechnen Sie also in den nächsten Wochen mit einem steigenden Euro, steigenden Rohstoffpreisen und fallenden US-Renditen. Rechnen Sie auch damit, dass US-Aktien in den kommenden Wochen eine bessere Performance zeigen werden als der DAX, denn das mittelfristige Ziel von Yellen wird eine höhere Inflationsrate sein. Alles andere würde in dem beschrieben Gemenge doch mehr als überraschen.

Besonders Gold in USD abgerechnet und Minenwerte sollte aus der Mischung steigender Inflation und fallender Rendite profitieren können. Kein anderer Wert reagiert so sensibel auf eine sinkende Realverzinsung.

Was weiß die SNB, was wir noch nicht wissen?

Nachdem vor ein paar Tagen der MDAX aus seiner bullischen Tasse-Henkel-Formation auf ein neues Allzeithoch ausgebrochen war, folgte nun gestern der Ausbruch des DAX auf ein neues All-Time-High. Auch der an der Ausbruchkante stehende KDAX schoss gestern im Tagesverlauf auf ein neues Mehrjahreshoch und somit brach auch der deutsche Kursindex über seinen seit einem Jahr gültigen Widerstand im Bereich knapp unter 5200 Punkten aus.

MDAX 17-1-15KDAX 17-1-15

DAX 17-1-15

Derzeit scheint viel internationales Kapital nach Europa, vor allem nach Deutschland, zu fließen. Hintergrund hierfür ist aller Wahrscheinlichkeit nach die in Aussicht gestellten Anleihenkäufe der EZB. Anleger reagieren reflexartig in Erwartung, dass die umstrittenen und unkonventionellen Maßnahmen der EZB eine ähnliche Abwärtungshausse in Gang setzen, wie diese die Abenomics im japanischen Nikkei in Gang setzten.

Die Entscheidung der SNB vom Donnerstag, den Franken nicht mehr an den Euro zu binden, scheint hier zusätzliches Wasser auf diese Mühlen zu gießen. Was weiß die SNB – was Draghi vor hat – wir aber noch nicht wissen? Kauf die EZB mehr als die vermuteten 500 Milliarden? Senkt sie vielleicht die Leitzinsen in den negativen Bereich?

Sollte die EZB liefern und die Erwartungen vielleicht noch übertreffen, dann stehen die Chancen hoch, dass die Börsen Europas – allen voran Deutschlands – heuer die US-Börsen outperformen. Sollte die Europäische Nationalbank die Anleger enttäuschen, könnte das internationale Geld jedoch so schnell wieder weg sein, wie es gekommen ist.

Egal wie es kommt, eines muss uns bewusst sein: Eine von billigen Geld getriebene Hausse steht auf sehr wackeligen Fundament. Einige Ökonomen nennen solche Aufschwünge auch Katastrophenhausse. Je parabolischer diese verläuft, desto größer die zu erwartende monetäre Katastrophe.