Monatsarchive: August 2019

Gold, Silber und Minen

Der Silberpreis konnte in den letzten Tagen mehr zulegen als der Goldpreis. Das Gold-Silber Ratio ist von 93 auf 85 gefallen.

 

 

Im historischen Kontext ist Silber im Verhältnis zum Gold dennoch immer noch günstig:

Die Gold-Silber-Ratio zeigt an, wie viele Feinunzen Silber benötigt werden, um eine Feinunze Gold zu kaufen. Abgebildet wird also das Preis- bzw. Wertverhältnis zwischen den zwei Edelmetallen. Je höher der Wert der Gold-Silber-Ratio ist, desto niedriger ist Silber im Vergleich zu Gold bewertet. Berechnet wird die Ratio ganz einfach, in dem man den Goldpreis in US-Dollar je Feinunze durch den Silberpreis in US-Dollar je Feinunze dividiert. Die Gold-Silber-Ratio wird von Investoren als Indikator für die Preisentwicklung der beiden Edelmetalle verwendet. Um den Wert interpretieren zu können, ist der Vergleich mit historischen Kennzahlen erforderlich.

Seit dem 18. Jahrhundert schwankte die Gold-Silber-Ratio zwischen 1:10 und 1:100. Zuvor hatte sie im Mittelalter einen historisch niedrigen Stand von 1:7 erreicht. Nachdem Silber Mitte des 15. Jahrhunderts so teuer wie nie zuvor gewesen war, begann der preisliche Niedergang des Edelmetalls, der sich in einer steigenden Ratio bemerkbar machte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Silber immer mehr zu einem Industriemetall; der in Deutschland seit Karl dem Großen geltende Silberstandard wurde 1871 durch den Goldstandard abgelöst. Während die Gold-Silber-Ratio über Jahrzehnte hinweg einen Wert von 1:15 hatte, stieg sie von 1873 bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf 1:30.

In den 1970er Jahren sorgten die Gebrüder Hunt mit gezielten Aufkäufen von Silberkontrakten an den Warenterminbörsen dafür, dass der Silberpreis bis auf 50 US-Dollar pro Feinunze stieg. Die dadurch ausgelöste Spekulationsblase platzte aber und der Preis für das Edelmetall fiel auf unter 5 US-Dollar pro Feinunze. Dieser massive Preisverfall machte sich auch in der Gold-Silber-Ratio bemerkbar und so musste man 100 Feinunzen des weißen Edelmetalls aufwenden, um 1 Feinunze Gold zu kaufen. Seit 2001 liegt der Wert der Ratio meist zwischen 1:50 und 1:70. Eine Ausnahme bildet jedoch das Jahr 2011, in dem das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis bis auf 1:34 sank.

 

 

Apropos historischer Kontext: Wenn man sich das Verhältnis Gold zu Goldminen (GOLD-HUI-RATIO) anschaut, dann ist auffällig, dass – trotz Rally der letzten Wochen – die Minen derzeit so bewertet werden wie im Tief des letzten Bärenmarktes 2000 als der Goldpreis zwischen 250 und 300 Dollar notierte. Unter dieser Perspektive fällt es schwer von überzogenen Bewertungen zu sprechen.

Gold in Euro auf Rekordniveau

Gold in Euro konnte heute kurz auf ein neues Allzeithoch steigen. Das Hoch aus dem Jahr 2012 bei 1385 Euro pro Unze wurde überwunden. Die Überwindung war allerdings nur minimal, sodass eine Verschnaufpause bzw. auch ein Doppelhoch durchaus in Frage kommen. Dafür spricht auch die hohe Netto-Spekulation in Gold. Diese nähert sich dem Allzeithoch aus dem Jahr 2016. Ein Rücksetzer im Goldpreis mit einem deutlichen Rückgang der Spekulation würde dem Goldpreis Luft zum Durchschnaufen verschaffen. Die starke saisonale Phase des Goldpreises läuft jedoch noch bis in den September hinein. Charttechnisch bleibt der Aufwärtstrend beim Gold intakt. Die Goldminen sehen sich jedoch im XAU einem wichtigen Widerstand gegenüber. Der 8-Jahres-GD stellt sich hier in den Weg.

 

Eigentlich müsste der Goldpreis konsolidieren. Aber dies geschah bisher nicht. Ich vermute mal, weil die US-Renditen weiter fallen und den Realzins negativer werden lassen. Zudem ist bei den Gold-Bugs, die all die oben beschriebenen Faktoren natürlich auch kennen und beobachten eine ausgeprägte Skepsis zu beobachten. Eine gewisse „Mauer der Angst“ ist somit nicht zu leugnen, welche den Goldpreis zumindest vor einem größeren Absturz bewahrt. Weiter strömt massiv Geld in Gold und Silber ETFs. Der schon öfter besprochenen Paradigemenwechsel und die Tatsache das der risikolose Zins fast überall massiv negativ geworden ist könnte damit zu tun haben. Auch die vielen politischen Krisenherde sollen nicht unerwähnt bleiben.

 

Zusammengefasst steht dem nach Strich und Faden gefühlt überkaufen Goldmarkt eine aus dem Fugen geratene, gefühlt verrückt gewordene, Geo- als auch Geldpolitik gegenüber. Ich bin kein Freund politischer Börsen und fühle mich in diesem Umfeld mit einer Cashquote von 10 – 20 Prozent wohl. Tendenziell möchte ich – vorausgesetzt es ergeben sich Opportunitäten – diese eher in Silber- als in Goldminen investieren, da ich im Silbermarkt doch ein gewisses Aufholpotenzial sehe.

Gold in Euro nahe Allzeithoch

Das Allzeithoch des Goldpreises in Euro befindet sich bei 1.385 Euro. Am Freitag erreichte Gold in Euro die Marke von 1.352 Euro. Gold in Euro befindet sich kurz vor dem Allzeithoch und damit vor einer wichtigen Widerstandsmarke. Die Netto-Spekulation in Gold nähert sich dem Allzeithoch aus dem Jahr 2016. Die Bewegung vom 7. August, als die 1500 USD mit Schwung übersprungen wurde, wirkt wie eine Erschöpfungsbewegung. Zudem erreichte der Goldminenindex XAU seinen 8 Jahres-GD. All diese Faktoren sollten den weiteren Goldpreisanstieg limitieren. Ein Rücksetzer im Goldpreis mit einem deutlichen Rückgang der Spekulation würde dem Goldpreis Luft zum Durchschnaufen verschaffen.

Der Hauptgrund für den Anstieg des Goldpreises liegt in der Bewegung des Realzinses in den USA. Dieser sackt im August unter die Null-Linie und folgt damit dem deutschen Realzins, der schon lange negativ ist. Je niedriger die Zinsen, umso besser für Gold. Je höher die Inflationsrate, umso besser für Gold. Beispielsweise würde ein Zinssatz 10jähriger US-Anleihen von 1,5 Prozent und eine US-Inflationsrate von 2,0 Prozent den Realzins auf minus 0,5 Prozent fallen lassen. Sollten die Zinsen allerdings jetzt zunächst steigen, würde der Goldpreis voraussichtlich korrigieren. Ich vermute, dass die Renditen zunächst nicht weiter fallen. Die Inflation sollte zumindest in den kommenden beiden Monaten nicht steigen, sodass sich insgesamt ein Konsolidierungsbild für den Goldpreis ergibt, gestützt durch die oben erwähnten Faktoren.

Positive Faktoren sind, dass die starke saisonale Phase des Goldpreises läuft noch bis in den September hinein läuft und das sich sowohl Minen als auch Goldpreis charttechnisch im Aufwärtstrend befinden. Auch die rückläufige Spekulation im Silber möchte ich als Positivfaktor anführen. Zudem sollten auch die zunehmenden politischen Spannungen das Edelmetall weiter stützen.

Zusammenfassend ist der Ausblick für den Goldpreis kurzfristig sehr stimmungsgetrieben und mittelfristig konsolidierungsbedürftig. Langfristig folge ich in der Argumentation jedoch den von Ray Dalio beschriebenen Paradigmenwechsel und möchte unterstreichen: Ein Umfeld mit negativen Zinsen ist nicht normal, die Helikoptergelddiskussion ist nicht normal und daran können auch die krudesten neunen Theorien, wie MMR, nichts ändern.

Dennoch sind die Warnrufe des Terminmarktes ernst zu nehmen. Ich werde daher beginnen manche Positionen zu verkleinern, um ein wenig Cash aufzubauen. Die Cashquote soll jedoch aus Rücksicht auf das zuvor geschriebene nicht über 20 % steigen.