Monatsarchive: Mai 2016

Terminmarkt – kleine konstruktive Schritte

Der CoT Index zeigt im letzten Beobachtungszeitraum erste konstruktive Schritte. Der Index für Gold stieg auf 24, der von Silber auf 15 Punkte. Während der Preis des Goldes im Beobachtungszeitraum um 53 USD fiel, was eine sehr gute Bereinigung darstellt, fiel der Silberpreis nur um 1 USD, was eher als durchschnittlich zu bezeichnen ist. Somit notiert Silber immer noch im Verkaufsbereich, welchen zumindest Gold bereits verlassen konnte. Anzumerken ist jedoch, dass aus Sicht des Terminmarktes auch Gold noch durch eine bearische Brille zu beobachten ist, welche einen weiteren Abverkauf jederzeit möglich erscheinen lassen.

Heute Morgen fiel der Goldpreis bis auf 1200 USD, die erste Unterstützung bei 1212 USD wurde somit unterboten. Jetzt rückt die Marke von 1180 in den Blickpunkt. Auch ein Durchrutschen bis 1150 Dollar kann nicht ausgeschlossen werden. Bei Silber stellt der Bereich um USD 15,70 die nächste wichtige Marke dar.

Die Vorsicht der letzten Monate macht sich nun langsam bezahlt. Während der HUI schon 17 % unter seinem Jahreshoch notiert, korrigierte „Gold und Silber Majors“ um knapp 7 %.

Da es derzeit so aussieht, als wäre die Bereinigung des Terminmarktes im vollen Gange, möchte ich die Daten vom kommenden Freitag abwarten, um meine Strategie anzupassen. Ich werde jedoch in der Zeit bis dahin, eher versuchen mit Zukäufen meinen sehr hohen Cash-Anteil von annähernd 50 % etwas zu verringern.

 

Negativer Realzins Ante Portas

Der Realzins fällt dann, wenn die Inflationsrate relative Stärke gegenüber der Rendite zeigt. Eine solche Entwicklung ist seit dem Herbst 2015 im Gange. Gestern wurde bekannt gegeben, dass die US-April-Inflationsrate gegenüber dem März um – den Konsens übertreffende – 0,4 Prozent stieg.

Seitens der für die Geldpolitik verantwortlichen Personen wird der Rohstoffpreisanstieg der letzten Wochen (noch) klein geredet, obwohl man schon heute davon ausgehen kann, dass bei gleichbleibenden Verhältnissen die US-Inflationsrate zum Jahresende bei 2,4 % liegen wird. Tritt dieses Szenario ein, dann wird – bei gleichbleibenden Renditen – der Realzins spätestens im Herbst negativ.

Der fallende Realzins sollte die Edelmetalle stärken, insbesondere Gold, aber auch Silber. Im Vergleich zu den Aktienmärkten erscheint eine größere Gewichtung von Minen und Gold/Silber im Hinblick auf die kommenden 12 Monate opportun zu sein. Wenn es so kommt wie beschrieben, ist man dort „sicherer“ unterwegs als an den Aktienmärkten. Sollten die Renditen am langen Ende hingegen im gleichen Takt wie die Inflationsrate steigen, wäre der Vorteil der Edelmetalle dahin. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.

Ausbruch oder Einbruch

Auch wenn die Wochenveränderungen sehr gering ausfallen, so sind die Commercials bei Silber absolut betrachtet so stark short wie nie zuvor positioniert. Diese Entwicklung geht allerdings auch mit einem auf Rekordniveau liegenden Open Interest einher. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei Gold zu beobachten.

Der CoT Index von Silber bleibt auf 0 Punkten, der von Gold steigt auf 3. Beide Metalle notieren damit aus Sicht des Terminmarktes weiter im Verkaufsbereich, auch wenn das hohe Open Interest die Entwicklung etwas relativiert. Auch wenn der Anstieg des Open Interest kurzfristig etwas steil und damit konsolidierungsbedürftig wirkt, ist er mit Blick auf den übergeordneten Trend positiv zu werten.

Beim Goldpreis in Euro handelt es sich um einen Pullback auf die Oktoberhochs 2015, es hat sich zudem eine Dreiecks-formation ausgebildet, die in den kommenden Handelstagen eine Ausbruchsbewegung aus der Formation andeutet. Trendkonform sollte der Ausbruch auf der Oberseite erfolgen.

Eine positive Technik trifft somit weiter auf eine schlechte Terminmarktstruktur. Ich werde daher die Politik der kleinen Schritte fortsetzen. Dies bedeutet, dass die hohe Cashquote bleibt, diese an schwachen Tagen geringfügig reduziert wird, um an stärkeren wieder Kasse zu machen, solange die Unterstützung im Bereich 1212 USD hält, bzw der Ausbruch nach oben nicht erfolgt ist. Sobald eine Änderung dieser Strategie erfolgt, werde ich dies natürlich kommentieren.

Mit einem ungehebelten Plus von 70 % in 6 Monaten und 9,6 % im letzten Monat liegt mein Wikifolio nach wie vor unter den besten dieses Sektors (Platz 2 auf 6-Monatssicht). Aber natürlich den Spitzenplatz, den ich bis vor einigen Wochen innehatte, hat mir diese vorsichtige Herangehensweise gekostet. Langfristig bin ich jedoch von der weiteren Überlegenheit dieser Strategie – auch auf den Terminmarkt zu hören – überzeugt, dass ich diese aufgrund kurzfristiger Gier nicht aufgeben möchte.

Ist Wikifolio’s Punktesystem unbrauchbar?

 

Das Bewertungssystem von Wikifolio, die Punkte welche Rückschlüsse auf die Qualität des Portfolios geben sollen, bieten dem interessierten Anleger keinerlei Hilfestellung. Es führt eher zu einer Verzerrung der tatsächlichen Leistung. Dies mag vielleicht im Sinne des Marktingteams von Wikifolio sein, aber bietet sonst leider keinen Mehrwert. So lautet zumindest meine Schlussfolgerung zur Top-Wikifolio-Rangliste.

Ich möchte diese Verzerrung der Realität nun mit einer kleinen Gegenüberstellung darlegen. Hierbei handelt es sich zwar sicher um einen Extremfall, dennoch zeigt es schön, dass alleine die Faktoren Performance seit Emission und maximaler Verlust langfristig keinen brauchbaren Nutzen bringen. Dabei geht es prinzipiell nicht um die beiden verglichenen Wikifolios selbst, sondern um die krassen Bewertungsunterschiede, die durch das Bewertungssystem von Wikifolio entstehen können.

Ich selbst verwalte das Wikifolio „Gold und Silber Majors“ (WFAUAGMAJO). Erstellt wurde es am 4.7.2013 und investierbar ist es seit dem 9.1.2014. Die Performancegebühr liegt bei 5 %. Es investiert in großkapitalisierte Edelmetallproduzenten. Wenn Sie die letzten Jahre diesen Markt verfolgt haben, dann wissen Sie, wie dieser unter die Räder gekommen ist. Seit Jahresbeginn konnte sich dieser Markt aber gut erholen. Im folgenden Chart vergleiche ich mein Wikifolio (blau) mit dem HUI als beispielhaften Referenzindex (seit der Emission des Wikifolios):

Majors vs HUI seit Emission 2014-01-09

Der maximale Drawdown war geringer und die Performance besser.

 

Als zweites Wikifolio möchte ich nun das Ausis Gold & Silber Minen anführen. Gleicher Markt, jedoch erst am 22.1.2016 emittiert. Im folgenden Chart vergleiche ich nun mein Wikifolio (blau) mit dem Ausis-Portfolio:

GoldundSilber Majors (blau) vs. Ausius Gold & Silber (rot)

Gold und Silber Majors performte seit dem Emissionsdatum von Ausis mit +73,2% um knapp 12 % besser.

Auch wenn ich das Ausis seit dessen Emission mit dem HUI (rot) vergleiche, kann ich keinen Qualitätsvorsprung erkennen.

Ausis vs HUI seit Emission 2016-01-22

Jetzt möchte ich zum Kern meiner Kritik kommen. Wir sprechen hier über zwei absolut vergleichbare Wikifolios. Die Strategie ist vergleichbar, der Markt ist ident. In beiden werden keine Hebelprodukte eingesetzt. Nur bei der Performancegebühr gibt es einen Unterschied: Ausis ist mit einer Performancegebühr von 15 % teurer.

Es ist unbestritten, dass wenn ein Anleger am 22.1. in Gold und Silber Majors € 10.000,- investiert hätte, dann hätte er heute € 17.320,-, im Ausis hätte er „nur“ € 16.150,-. Dennoch notiert Gold und Silber Majors bei 196 Wikifolio-Punkten, Ausis bei 4994 Punkten. Zusätzlich wird das Ausis mit Auszeichnungen seitens Wikifolio „überschüttet“.

Ok, der maximale Drawdown seit Auflage ist bei Gold und Silber Majors viel, viel schlechter. Aber bei diesem Punkt anzusetzen ist nicht fair, denn wer sich bald drei Jahre in diesem Markt behauptet, der hatte es mit echtem Gegenwind zu tun und hat seine Qualität wirklich beweisen müssen. Wer sein Wikifolio ein paar Tage nach dem Tief emittiert bekommen hat, der hatte gigantisches Glück, Glück welches ich dem Verwalter auch vergönnt bin, aber was überhaupt nichts über die Qualität aussagt.

Viele Fragen tauchen auf:

  • Sollte nicht jenes Wikifolio, welches sich länger erfolgreich im Markt bewegt, die höheren Punkte aufweisen?
  • Sollte nicht jenes, mit der besseren relativen Performance die höhere Punktezahl aufweisen?
  • Sollte nicht jenes, welches einen vergleichbaren Referenzindex schlägt, die höhere Punktezahl aufweisen?
  • Sollte nicht das Wikifolio, welches sich im schwierigen Marktumfeld beweisen musste, die höhere Punkte aufweisen?

Zusammengefasst zeigt dieses eine Beispiel sehr schön, dass das aktuelle Wikifolio Punktesystem nicht sehr viel über die Qualität der Anlagestrategie aussagt. Wikifolio sollte sich hier ins Zeug legen und versuchen mehr in die Breite zu gehen und sich ein besseres Bewertungssystem ausdenken.

 

„Sei ängstlich, wenn die anderen gierig sind!“

Die Terminmarktdaten für Gold präsentieren sich mittlerweile als extrem überkauft und notieren im historischen Extrembereich. Während die Großspekulanten weiter massiv long gehen, verkaufen die Commercials auf Termin als gäbe es kein Morgen. Alleine in der letzten Woche erhöhten sich die Shortpositionen der Commercials um über 54000 Kontrakte. Der Terminmarkt schreit mittlerweile so laut VERKAUFEN, dass dies sogar Taube nicht mehr überhören können.

Als viele Minenwerte Anfang letzter Woche schwäche zeigten, habe ich meine Cash-Position leicht (auf knapp 33 % reduziert). Aktuell notiert das Wikifolio nun 6 % höher. Ich nutzte diesen Kursanstieg nun zu kleinen Gewinnmitnahmen, um die Cashquote wieder auf 41,5 % zu erhöhen.

„Werde gierig, wenn die anderen ängstlich sind und werde ängstlich, wenn die anderen gierig sind!“. Dieses Motto hat die letzten Jahre geholfen mit diesem Wikifolio besser als der HUI abzuschneiden. Nun ist es Zeit ängstlich zu werden, denn der Terminmarkt zeigt uns derzeit die Gier der „Zuspätgekommenen“. Kurzfristig spricht daher derzeit vieles für eine stärkere Korrektur im sich neu etablierten Aufwärtstrend.

Langfristig bleiben die Aussichten jedoch exzellent. Die großen Minen haben ihre Bilanzen konsolidiert und aus ihren Fehlern gelernt. Fremdkapital wird reduziert und mit Bedacht eingesetzt. Sie profitieren nun überdurchschnittlich vom sich erholenden Edelmetallpreis.