Als ich versuchte Bitcoins zu kaufen …

Also ich beobachte diese Internet-Kryptowährung ja nun schon ewig. Ewig heißt in diesem Zusammenhang, dass ich – als ich mich das erste Mal damit beschäftigte – es sogar noch Sinn gemacht hätte selbst am hauseigenen PC zu „minen“.

Aber was soll ich sagen, ich habe diese Bitcoin-Idee eigentlich immer für verrückt gehalten. Wer sollte so etwas wie einem Bitcoin jemals einen Wert geben? Als überzeugter Anhänger des Marktgeldes war es für mich einfach nicht vorstellbar, dass der Markt jemals etwas einen Wert beimessen würde, das keinen echten inneren Wert besitzt. Ok, unser Euro hat auch keinen inneren Wert, aber als „legal tender for debt and tax“, also als gesetzliches Zahlungsmittel, zwingt man die Marktteilnehmer ja – dieses Mittel des indirekten Tausches – nachzufragen und zu akzeptieren.

Aber ok, zurück zum Bitcoin und zum Marktgeld. Ich wurde eines Besseren belehrt, denn der Markt fragt dieses verschlüsselte, digitale Etwas wirklich nach und ließ den Kurs bis in der Spitze auf 1000 Dollar steigen. Die Gründe dafür mögen vielseitig sein. Sei es die gefühlte Anonymität, sei es der einfache Transfer, wenn man da mal solche besitzt, oder sei es einfach ein Zeichen unserer immer digitalisierteren Welt. Ich muss zugeben, ich weiß es nicht, ich verstehe es auch nicht wirklich und ich muss mir auch eingestehen, dass ich hier eine Entwicklung einfach nicht erkannt habe und somit die Chance auf ein kleines Vermögen verstreichen habe lassen. Aus meiner Perspektive also ziemlich scheiße gelaufen und meine verbeugende Anerkennung für alle „early adopters“. Trotzdem schwingt bei mir immer der Gedanke an die „Tulpenzwiebelmanie“ mit, wenn ich an Bitcoin denke. Ob das jemals vergehen wird? Damals hat man wenigsten die Chance auf eine schöne Blume gehabt.

Nichts desto trotz kam dann vor ein paar Wochen ein kleiner Ritterschlag seitens des EuGH. Bitcoins können umsatzsteuerfrei erworben werden, da es sich um eine Art Währung handelt. So lautet zumindest meine milchmädchenhafte Interpretation dieses Urteils. Schnell kam also wieder etwas Leben in die Kryptowährung.

Ich muss auch gestehen, dass mir der Einstieg in die Bitcoin-Welt auch immer ein wenig zu kryptisch war. Verschiedene Börsen und wie erst aufbewahren? Wallets und Paperwallets. Ich kenne zwar die standardisierte Welt der Wertpapiere ziemlich gut, aber Bitcoin, das war doch Neuland für mein Denken. Damit sollte dann aber Schluss sein, habe ich mir gedacht und traf den Entschluss mir Bitcoins zuzulegen. Mit der Weisheit des Rückblicks muss ich nun gestehen: Bitcoins kaufen und aufbewahren ist wesentlich einfacher als ich dachte und das hat mich nun dazu bewogen diesen Text zu formulieren.

Also was braucht man zum Kauf von Bitcoins? Eine Handelsplattform und einen Geldbeutel, so einfach ist das. Eine Börse um die Dinger zu kaufen und einen Geldbeutel um diese zu verwahren. Nach etwas Recherche habe ich mein Glück bei folgenden Anbietern gesucht – Bitcoin.de und Bitstamp.com – und so viel vorweg, auch gefunden. Wie immer im Leben, wenn man mal weiß, wie es geht ist alles ganz einfach. Also fehlte mir nur noch ein Ding, um die Bitcoins zu verwahren. Ich möchte die Teile ja bei mir haben, um im Fall der Fälle diese auch wieder auszugeben. Hier ist meine Wahl auf Blockchain gefallen. Auch relativ easy, wenn man mal registriert ist und ein simples App gibt es auch. Handels- und Geldbörse waren also gefunden.

Wie kann man also nun Bitcoins kaufen? Als erstes muss man sich bei einer der Börsen registrieren und seine Identität legitimieren. Soviel also zur Anonymität. Ich habe mal gelesen, dass im Unterscheid zu Bargeld, welches ein echtes Anonym ist, sind Bitcoins bestenfalls ein Pseudonym, denn wenn es hart auf hart kommt, dann ist eine digitale Spur immer nachzuvollziehen und digitale Spuren hinterlässt man nun mal im Internet.

Nun aber wieder zum Thema. Wenn die Registrierung abgeschlossen ist, dann unterscheiden sich Bitcoin.de und Bitstamps.com jedoch enorm. Bei Bitcoin.de stellt die Börse nur den Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer her, die Verrechnung erfolgt dann über die privaten Konten der beiden Vertragspartner. Bei Bitstamps.com muss man vorher sein Konto dotieren, um handeln zu können. Gefühlsmäßig ist der Vorteil von Bitstamps.com das Sicherheitsnetz für die Handelspartner, da ein gewisser Schutz besteht, denn „altes“ Geld und Bitcoins sind schon im System. Ein weiterer Vorteil ist, dass wenn das Konto einmal dotiert ist, man als Käufer seine Münzen – nach abgeschlossenem Handel – auch gleich gut geschrieben bekommt. Nachteil ist hier die Flexibilität, denn schnell mal das Bitstamps-Konto dotieren spielt es nicht, da die Einzahlung nur mittels SEPA-Überweisung funktioniert. Das bedeutet, wenn man mal ein wenig Geld übrig hat und damit Bitcoins kaufen will, dann wartet man zwei Tage bis das Geld auf seinem Konto gutgeschrieben ist. Zwei Tage in denen der Kurs ganz ordentlich schwanken kann.

Hier haben wir auch schon den Vorteil von Bitcoin.de, ich kann jederzeit kaufen. Wenn mir der Kurs gefällt, dann klicke ich auf kaufen, bestätige das Ganze und muss dann innerhalb von einer Stunde den vereinbarten Preis auf das Girokonto des Käufers überweisen. Sobald dieser dann das Geld gutgeschrieben bekommen hat, gibt er die Bitcoins frei und man bekommt diese auf seinem Konto gebucht. Die Gutschrift der Bitcoins erfolgt also erst nachdem der Verkäufer sein Geld hat, frühestens also am nächsten Tag je nachdem wo der Verkäufer sein Girokonto führt.

Ich habe beide Plattformen ausprobiert. Auf beiden Plattformen hat die Transaktion perfekt funktioniert. Welche Börse man verwenden möchte ist also reine Geschmackssache. Was ist einem lieber? Flexibel kaufen und auf die Bitcoins warten, oder relativ unflexibel im Kauf, dafür sofort seine Bitcoins in den Händen zu halten. Wie gesagt, beides funktioniert einwandfrei. Kein Licht ohne Schatten könnte man sagen und wenn man sich nicht entscheiden kann, was einem besser gefällt, dann sollte man es wie ich machen und beide ausprobieren, oder die anderen Unterschiede berücksichtigen.

Von den Kosten unterscheiden sich die beiden insofern, dass Bitstamps.com 0,25 % des Ordervolumens, Bitcoin.de 0,01 Bitcoin pro Trade verrechnet. Bei großen Summen ist hier Bitcoin.de wahrscheinlich die bessere Wahl, was natürlich aber auch auf den Bitcoinkurs ankommt. Zusätzlicher Unterschied ist, dass Bitstamps.com in USD und Bitcoin.de in EUR abrechnet.

Bei beiden Anbietern werden nach erfolgreich durchgeführter Transaktion die Bitcoins dem Kundenkonto gut geschrieben. Dort kann man diese nun einfach „liegen“ lassen, um weiter handeln zu können, oder man transferiert das Kryptogeld in seinen virtuellen Geldbeutel, das Wallet. Meine Wahl ist – wie beschreiben – auf Blockchain gefallen.

Auch hier kann man sich in kurzer Zeit registrieren und nachdem das geschehen ist, bekommt man auch schon seine Adresse, um Bitcoins von überall aus der Welt empfangen zu können. Zusätzlich bietet Blockchain auch ein App an, über welches man ziemlich einfach auf seine Bitcoins zugreifen kann. Um das App mit seinem Walletaccount zu verbinden, muss man nur einen QR Code scannen und schon kommuniziert das Handy mit Blockchain. Besonders wichtig bei seinem Wallet ist natürlich seine Zugangsdaten nicht zu vergessen. Um für den Fall der Fälle doch vorzusorgen ist Blockchain aber ebenfalls behilflich, indem man einfach ein Dokument ausdruckt, das einem Blockchain dafür zur Verfügung stellt. Dieses Stück Papier kann man dann auch gleich als Paperwallet verwenden, wenn man das so will.

Was zur Hölle ist aber nun das schon wieder? Ein Paperwallet löst das Problem, welchem man in der digitalen Welt immer ausgesetzt ist: Gehackt zu werden. Was nützen einem all die schönen virtuellen Münzen, wenn diese jemand von deinem Rechner klaut? Also parkt man seine Bitcoins einfach auf einem Stück Papier, man verwahrt sozusagen Onlinegeld in der Offlinewelt.  Den Zettel kann man überall hin mitnehmen, oder aber in einem Bankschließfach sicher verwahren. Verlieren sollte man es aber besser nicht.

Ja, ich bin nun stolzer Besitzer der Kryptowährung, vielleicht ein Teil der nächsten Manie, vielleicht ein Teil des nächsten Währungssystems, oder aber vielleicht in riesen Volltrottel, der ein gesetzliches Zahlungsmittel in ein digitales Etwas getauscht hat. Die Zukunft wird mir diese Frage beantworten.

Zusammengefasst war es aber nicht schwer. Zumindest nicht schwerer als ein Depot bei einem Onlinebroker zu eröffnen. Hat man einmal den Fuß in der Tür, erscheint vieles auf einmal ganz einfach und logisch. Nur zu blöd, dass ich diese Erkenntnis nicht schon 2010 hatte.

 

 

 

 

 

 

 

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