Monatsarchive: März 2015

Wir Steueresel …

Kennen Sie Amilcare Puviani? Nein? Sollten Sie aber. Der gute Mann war ein italienischer Ökonom, der sich im ausgehenden 19. Jahrhundert intensiv mit Staatsfinanzierung befasste. Besonders mit der Kunst, Steuerbürgern möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen, ohne dass die die Absicht bemerken und rebellisch werden.

► Staatsausgaben kreditfinanzieren, um die spürbare Belastung auf künftige Generationen zu verschieben.
► Zeitlich befristete Steuern zu kreieren – und dann einfach auf deren Abschaffung zu vergessen.
► Diskussionen um größere Steuerreformen mit der Drohung abwürgen, dass man in diesem Fall diese und jene Leistung streichen müsse.
► Soziale Konfliktdiskussionen provozieren, um damit die zusätzliche Besteuerung von Luxusgütern und unpopulären Personengruppen (Millionäre) zu rechtfertigen.
► Indirekte Besteuerung bevorzugen, denn die lässt sich in den Preisen verstecken.
► Inflation verursachen, um Staatsschulden real zu entwerten.

Lesenswerte Kolumne „Wir Steueresel und unsere fiskalische Illusion“ von Josef Urschitz, veröffentlicht auf diepresse.com

Fallender Realzins + bereinigte CoT-Daten = steigender Goldpreis

Die beste Performance zeigt Gold in einem Umfeld fallender Realzinsen. Aktuell treffen fallende Renditen (30 jährige US-Bonds bei 2,5 %, zuvor 2,8%) auf eine leicht anziehende Inflation (-0,2 im Jänner, erwartet werden nun +0,2), sodass sich das Umfeld derzeit auf ein für das gelbe Metall positives Umfeld zubewegt.

Auch die CoT Daten wirken zumindest beim Goldpreis als „bereinigt“. Während die Commercials ihre Shortposition auf -50.000 Kontrakte reduziert habe, sehen wir bei den Großspekulanten ebenfalls eine Reduktion der Kaufpositionen auf +50.000 Kontrakte. Somit können wir hier eine Positionierung ähnlich dem letzten Preistief beobachten.

Ich erwarte nun einen mehrwöchigen Anstieg des gelben Metalls. Dieser sollte sich ähnlich positiv auf die Minenwerte auswirken wie die Rally zum Jahresanfang, welche den Edelmetall-Majors mehr als 40 % Performance in wenigen Wochen brachte.

Ich reduziere daher den Cash-Quote im „Gold & Silber Majors“ Wikifolio auf unter 5 %.

Reduzierung des Brasilienengagement

Ich habe mich heute von meinem Brasilien ETF mit knapp 20 % Verlust getrennt. Mit Vale (Gewichtung: 4%) bleibe ich in dieser Region weiter investiert. Auch wenn der Markt eine beträchtliche Unterbewertung aufweist, so lasten doch die Dollarstärke (erhebliche USD-Schulden der Unternehmen) und die sozialistische Rouseff-Politik schwer auf dem BOVESPA. Es ist anzunehmen, dass dieser Markt derzeit zu einer Spielwiese der Leerverkäufer verkommen ist. Wie lange sich diese hier noch austoben werden, bleibt ein nicht kalkulierbarer Risikofaktor, sodass ich hier das weitere Risiko reduzieren möchte. Sollte sich die Stimmung drehen, wird diese Portfolio mit dem Engagement in Vale davon profitieren können.

Yellen, der Dollar und warum sie von dessen Stärke die Nase voll hat

Auch wenn man heute in der „normalen“ Presse überall lesen kann, dass FED Chefin Yellen gestern den Weg in Richtung Zinserhöhung geebnet hat, so würde ich den Ausfluss der gestrigen FED Sitzung eher in eine andere Richtung interpretieren.

Auch wenn ich die Wortklauberei rund um die Formulierungen der FED Vorsitzenden etwas kurios finde, so möchte ich hier doch dieses semantische Spiel mitspielen. Was ist passiert? Ja das Wort „geduldig“ wurde gestrichen. Ein Schritt mit dem die Marktteilnehmer gerechnet haben. Es wurde jedoch nicht ersatzlos gestrichen, was viele als ein Zeichen für einen in kürze folgenden Zinsschritt interpretiert hätten. Aus „geduldig“ wurde nun „flexibel“ und das schiebt den Zinsschritt auf der Zeitachse der Beobachter nun einmal ein wenig weiter nach hinten. Ja, Yellen hat mit ihrer „milderen“ Formulierung viele überrascht. Das „Warum?“ sollte uns hier aber nicht wirklich überraschen.

Viele US-Frühindikatoren haben die letzten Wochen negativ überrascht. Das erwartete Wirtschaftswachstum für die USA im 1. Quartal liegt nun bei nur mehr 0,3 %. Gleichzeitig ist das Inflationsziel der FED von 2 % in weite Ferne gerückt. Eine „brummende“ Wirtschaft sieht in den Augen der Vorsitzenden anders aus.

Die FED-Chefin ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin. Dieser Indikator ist derzeit noch das einzige was in den USA positiv ist. Aber auch hier zeigte die letzte Veröffentlichung der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung keine Besserung mehr. Yellen ist ziemlich sicher klar, dass ein starker Dollar Arbeitsplätze exportiert.

Das echte Statement der gestrigen Sitzung wird also schnell klar: Es reicht ihr mit dem starken Dollar, genug ist genug. Alles andere wäre aus ihrer Sicht ja auch ziemlich verrückt. Warum sollte Sie in Zeiten von niedrigster Inflation und schwächelnder Wirtschaft einen frühen Zinsschritt riskieren, den Dollar somit weiter stärken und das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum noch mehr gefährden? Das kann sie nicht wollen und das wird sie auch zu verhindern wissen.

Wenn ich mir die Faktenlage ansehe, dann würde es mich nicht überraschen, wenn 2015 gar kein Zinsschritt mehr kommen würde. Vielleicht wird es einen minikleinen geben, um das Gesicht nicht komplett zu verlieren, aber mehr sollte es nicht werden.

Die gestrige Marktreaktion unterstreicht meine Annahme. Der USD-Index fiel wie ein Stein, ebenso die Renditen der US-Anleihen, Rohstoffe und Gold zogen an. Ebenso zeigten US-Aktien Stärke.

Rechnen Sie also in den nächsten Wochen mit einem steigenden Euro, steigenden Rohstoffpreisen und fallenden US-Renditen. Rechnen Sie auch damit, dass US-Aktien in den kommenden Wochen eine bessere Performance zeigen werden als der DAX, denn das mittelfristige Ziel von Yellen wird eine höhere Inflationsrate sein. Alles andere würde in dem beschrieben Gemenge doch mehr als überraschen.

Besonders Gold in USD abgerechnet und Minenwerte sollte aus der Mischung steigender Inflation und fallender Rendite profitieren können. Kein anderer Wert reagiert so sensibel auf eine sinkende Realverzinsung.

The Second Machine Age

Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird

Hier ist den Autoren Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee ein echt spannendes Buch gelungen. Sie sind der Meinung, dass wir uns in mitten einer digitalen Revolution befinden, eine Revolution, welche die Geschichte der Menschheit noch stärker beeinflussen wird als die Erfindung der Dampfmaschine.

Im ersten Teil erörtern Sie an Parametern wie Bevölkerungswachstum, Verstädterung, kultureller Entwicklung, etc. warum eben die Dampfmaschine und in direkter Linie Elektrizität und Verbrennungsmotoren bis vor kurzem wohl die wichtigste Erfindung der Menschheitsgeschichte darstellten. Da die Behauptung seitens der Autoren in einer schlüssigen Argumentationskette dargestellt wird, möchte ich diese Feststellung jetzt nicht kommentieren, auch wenn sich darüber sicher streiten lässt. Was jedoch gewiss keinen Raum für eine andere Meinung zulässt, ist die Feststellung, dass die Dampfmaschine dem Menschen erstmals die Möglichkeit gab, die Leistung, auf seine Muskelkraft bezogen, um ein bis zu diesem Zeitpunkt unvorstellbares Vielfaches zu steigern.

Genau hier setzt das Buch dann auch an, warum wir uns nun am Beginn des zweiten Maschinenzeitalters befinden. Was die Dampfmaschine für die Muskelkraft war, ist die digitale Technik für den Verstand des Menschen. Konnte die Menschheit mit Hilfe von Dampf, Öl und Strom in Bezug auf Kraft in neue Dimensionen vorstoßen, so katapultieren Computer und alle anderen auf Bits und Bytes beruhenden Technologien nun unseren Geist in diese Sphären.

Diese Annahme begründen die am MIT tätigen Brynjolfsson und McAfee in den ersten Kapiteln. Sie sind Beifahrer im selbstfahrenden Auto von Google, sie besuchen Roboter welche am Fließband wie Menschen arbeiten und sie beobachten IBMs Watson, welcher nach seinen „Jeopardy!-Karriere“ nun Ärzten bei komplizierten Diagnosen unterstützt. Viele weitere zukunftsweisende Technologien führend die Beiden ins Feld von fast perfekter Spracherkennung bis hin zu Brillen die Blinden die Zeitung vorlesen. Bringt man dementsprechende Technikbegeisterung mit, dann möchte man hier nicht mehr aufhören zu lesen.

In den weiter folgenden Kapiteln beschreiben die Autoren, warum sie annehmend, dass die Geschwindigkeit dieser an Sience-Fiction erinnernden Erfindungen immer schneller von statten gehen wird. Die letzten Kapitel beschäftigen sich dann mit den Auswirkungen auf den Menschen und die Wirtschaft und gleichzeitig versuchen die beiden Autoren sowohl Staatslenkern als auch jeden einzelnen Leser Ratschläge mitzugeben, wie mit dieser Zukunft umzugehen ist.

Alles in allem ein sehr lesenswerter Titel, auch wenn sich das Buch teilweise sehr unterschiedlich ließt. Teil man es in zwei Teile, so taucht man in der ersten Hälft in eine wirklich spannende Welt ein und glaubt einen Roman zu lesen, so liest sich die zweite Hälft eher wie eine wissenschaftliche Abhandlung. Dennoch verdient sich das Buch einen Platz in den häuslichen Bibliotheken, denn der Blickwinkel des Buches auf unsere Zukunft ist als visionär zu bezeichnen.

1. Auflage 2014 / ISBN 978-3864702112

Ein hellsichtiger Ökonom

„Max Otte ist kein Optimist. Aber leider hat der Professor, Schriftsteller und Fondsmanager mit seinen Prognosen Recht behalten. 2006 sagte er die Krise voraus, die 2007 in den USA als Immobilienkrise die Wirtschaft erschütterte und als Verschuldungskrise uns in Europa heute noch schwer zu schaffen macht. Wie beurteilt er die Entwicklung heute? Ute Holzhey hat ihn getroffen.“

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Wo aktuell „Rothschilds Kanonen“ donnern …

Vergessen Sie in all der Euphorie um den steigenden DAX nicht darauf antizyklische Chancen zu nutzen, denn langfristig verspricht ein Investment in unterbewertete Unternehmen einen wesentlich höheren Ertrag als permanent steigenden Kursen nachzuspringen.

Die letzten Tage fiel der XAU auf 65 Punkte und nähert sich seinen Tiefstständen aus dem Jahr 2014.

Im historischen Vergleich ist der gesamte Minensektor im Verhältnis zum Goldpreis extrem günstig bewertet. Das Gold/XAU Ratio notiert nun wieder < 0,06. Zwischen 1983 und 2008 notierte die Ratio zwischen 0,16 und 0,38.

Sollten sich die Minenwerte aus ihrer Baisse befreien können und sich der Blickwinkel der Investoren auf diesen Sektor wieder etwas positiver gestallten, dann wäre schon bei gleichbleibenden Goldnotierungen enorme Kursanstiege notwendig, um die Ration wieder zu „normalisieren“.

Viele Minenunternehmen mussten die letzten Jahre nachhaltig an ihrer Profitabilität arbeiten. Maßnahmen zu Senkung der Verbindlichkeiten wurden in die Wege geleitet und weniger oder gar unwirtschaftliche Projekte abgeschrieben oder auf Eis gelegt. Die sinkenden Energiekosten der vergangenen Monate sollten den Sektor dabei behilflich sein.

2015 könnte das Jahr sein, das diesen Sektor wieder mit Leben erfüllt. Derzeit gibt es noch einigen Gegenwind, vor allem die Angst vor der Deflation und der damit einhergehende steigende Realzins belastet derzeit die Edelmetallpreise und deren Produzenten. Doch viele diese Angst befeuernde Trends werden 2015 ihr Ende finden. Der Ölpreis wird sich stabilisieren, der Dollar wird seine Überbewertung gegenüber dem Euro abbauen und die monetären Maßnahmen der letzten Jahre werde den Fokus der Anleger wieder in Richtung Inflation drehen. Dann sollte das Pendel wieder pro Edelmetalle und pro Minenwerte ausschlagen.

Was man als Investor in diesem Sektor jedoch auf alle Fälle mitbringen muss ist Geduld und gute Nerven, dafür ist die Chance auf eine reichliche Belohnung überdurchschnittlich hoch.

Parabolische Zinsentwickung

Interessante Gedanken von Manfred Hübner zur Zinsentwicklung:

Bei 30 Jahren Laufzeit bedeutet dies, dass ein Investor eine Währungsabwertung um rund 45% durch den Zinsvoraus ausgleichen könnte! Zieht man nun in Betracht, dass die meisten Investoren derzeit an eine Abwertung des Euros (!) glauben, wird die Absurdität des aktuellen Zinsgefüges deutlich.

Solch große Zinsabstände sind auf Dauer nur zu rechtfertigen, wenn das Land mit den höheren Zinsen (!) die schwache Währung besitzt. Die Konsequenz dieser Analyse lautet deshalb: Entweder sinkt die Zinsdifferenz zwischen den USA und Deutschland künftig wieder und / oder die Wechselkurse müssten sich wieder zu Gunsten des Euros normalisieren. Dass dies passiert, ist nicht eine Frage des „ob“, sondern des „wann“. Denn bei freien Märkten handeln die einzelnen Bondmärkte nicht im luftleeren Raum, sondern sind wie kommunizierende Röhren miteinander verbunden.“

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„Driving-Season“ ante portas!

„Driving-Season“ ante portas! Ich rechne mit einem Ausbruch des Ölpreises über seinen Widerstand (Brent 63 USD), da morgen die üblicherweise saisonal günstige Zeit für den Ölpreis beginnt. Umgesetzt wird diese Spekulation darauf mittels gehebelten Zertifikaten auf Brent. WTI wäre mir zwar lieber gewesen, nur bietet HSBC derzeit kein Zertifikat auf diese Ölsorte an.

Üblicherweise neigt der Ölpreis ab dem 20. Tag vor Ostern bis nach Pfingsten zur Stärke. Durchschnittlich konnte der Ölpreis in diesem Zeitfenster knapp 10 % zulegen. Auch der langjährig saisonale Verlauf – ohne Berücksichtigung des genauen Osterdatums – spricht für eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir in den kommenden Wochen weiter anziehende Ölpreisnotierungen sehen. Aufgrund des guten Chancen/Risiko-Verhältnisses und der sich seit Jänner abzeichnenden Bodenbildung im Ölpreis möchte ich hier auf weiter anziehende Notierungen spekulieren.

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