Buchtipp – „Die Wahrheit über Geld“

In seinem neuen Buch „Die Wahrheit über Geld“ (iSbN: 9783864701269) klärt der bekannte Fernsehmoderator und Börsenreporter Raimund Brichta über die Ursachen der Finanzkrise auf. Er zeigt, dass unser Geldsystem zutiefst instabil ist, und wie man sich vor einem Zusammenbruch schützen kann.

Herr Brichta,in Ihrem neuen Buch „ Die Wahrheit über Geld“ lesen wir: „Die Art und Weise, wie unser Geld funktioniert, steckt nämlich auch hinter all den Krisen, die seit Jahren herauf- und wieder heruntergebetet werden – Finanzkrise, Eurokrise, Schuldenkrise.“ Demnach ist unser Geldsystem Ihrer Ansicht nach extrem instabil, Krisen nahezu unvermeidlich. Woher rührt diese Instabilität?

 

Raimund Brichta: Sie hat ihre Ursache in der konstruktionsweise dieses Systems. Grob gesagt funktioniert es nur dann, wenn die Mengen an Geld und Schulden ständig wachsen. insofern ist es vergleichbar mit einem Schneeballsystem. Und es ist deshalb auch genauso instabil wie ein solches. Irgendwann fehlt es an neuen solventen Schuldnern, die die benötigten zusätzlichen Schulden schultern könnten. Dann tendiert das System dazu, in sich zusammenzubrechen, bis es von einem neuen Gleichgewicht aus wieder wachsen kann.

 

In der Öffentlichkeit herrscht das Bildvor, dass mangelnde staatliche Haushaltsdisziplin zu einem wachsenden Schuldenberg führt, der mit immer neuem Geld finanziert werden muss. Sie stellen diesen Zusammenhang zum Teil auf den Kopf und zeigen, dass auch das wachsende Geldvermögen der Anleger auf der einen Seite zu ausufernden Schulden auf der anderen Seite führen muss. Das müssen Sie uns bitte kurz erklären.

 

Die Sache ist einfach erklärt: Geldvermögen und Schulden sind lediglich zwei Seiten derselben Medaille. man kann Geldvermögen nur bilden, wenn ein anderer dafür gleich hohe Schulden macht. Erst durch Schulden wird Geldvermögen also möglich. Das ist ein wichtiger Zusammenhang, der den meisten Leuten nicht bewusst ist. Gleichzeitig ist es so, dass alle Anleger zusammengenommen laufend neues Geldvermögen bilden. Sie legen nicht nur Zins und Zinseszins wieder an, sondern sparen darüber hinaus auch Geld aus anderen Einkünften. Beides ist aber nur möglich, wenn auf der anderen Seite immer mehr Schulden gemacht werden. Die Konsequenz: von den immer weiter wachsenden Geldvermögen geht ein Druck zu immer mehr Schulden aus. Und da die privatwirtschaftlichen Schuldner überfordert wären, wenn sie all die zusätzlichen Schulden allein eingehen müssten, kommt den Staaten als Schuldner eine wichtige Rolle zu. Sie werden gebraucht,

um das System aufrechtzuerhalten – bis es eines Tages zusammenbricht.

 

Und dann?

 

Dann werden Geldvermögen und die ihnen gegenüber stehenden Schulden vernichtet, zum Beispiel durch eine Währungsreform. Danach kann es wieder von vorne losgehen.

 

Lässt sich der Zusammenbruch nicht verhindern?

 

Es lässt sich zumindest hinauszögern, indem auch zwischendurch immer einmal Schulden und Geldvermögen gestrichen werden – entweder freiwillig durch Schuldenerlasse oder unfreiwillig durch Pleiten, Schuldenschnitte und ähnliches. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass schon der christliche und der jüdische Glaube in ihren Ursprüngen ein Erlassjahr oder Jubeljahr vorsahen, in dem alle Schulden erlassen werden sollten. Es sollte alle sieben mal sieben, also alle 49 Jahre stattfinden. Daher kommt auch die Redewendung, etwas kommt nur alle Jubeljahre einmal vor. es gibt sogar Leute, die fordern, ein solches Erlassjahr sollte wieder eingeführt werden. Ich wüsste nur nicht, wie dies mit unserem bestehenden Rechts- und Wirtschaftssystem in Einklang zu bringen wäre.

Dass Geldvermögen und Schulden immer weiter wachsen müssen, hört sich bei Ihnen wie eine Art Naturgesetz an. Doch unser Geldsystem wurde von Menschen geschaffen. Was hat diese Menschen Ihrer Meinung nach dazu bewogen, ein solches System zu kreieren?War es Absicht oder mangelndes

Verständnis?

 

Vielleicht beides? ich weiß es nicht. Meiner Ansicht nach spielt es jetzt auch keine große Rolle mehr. Es ist, wie es ist, und ich bemühe mich, möglichst viele Menschen darüber aufzuklären.

 

Wie können wir unser Geldsystem reformieren? Wie erreichen wir mehr Stabilität und Nachhaltigkeit, ohne alles über Bord werfen zu müssen?

 

Für antworten auf diese Fragen ist es noch viel zu früh. zuerst einmal müssen die Schwächen dieser Geldordnung auch von der etablierten Wissenschaft und der Politik erkannt und ernst genommen

werden. für viele Mainstream Ökonomen sind die Probleme, die wir in unserem Buch beschreiben, gar nicht existent. Der Grund liegt vermutlich darin: Gut dotierte Spitzenpositionen werden oft von der Finanzwirtschaft finanziert, etwa über Stiftungen. Das heißt, in einer solchen Position ist man in besonderer Weise von jenen Leuten abhängig, die vermutlich gar nicht daran interessiert sind, dass sich am gegenwärtigen System etwas ändert. Und als Wissenschaftler gelangt man am leichtesten

in amt und Würden, wenn man dem Mainstream gefällt. Querdenker sind in der Regel chancenlos, weil sie zu viele Gegner haben. ähnliches gilt für politische Ämter, etwa Führungspositionen bei Notenbanken oder Jobs in offiziellen Beratergremien wie im „Rat der fünf Weisen“. Diese werden oft nur nach parteipolitischen Kriterien vergeben. Und zu alledem ist bei Leuten in diesen Ämtern auch eine Art Scheuklappeneffekt zu beobachten: Wer einen solchen Posten hat, kann nicht mehr wirklich frei denken und entscheiden, sondern er denkt und entscheidet so, wie das Amt es von ihm erfordert. Da bleibt für Systemkritik kein Raum. Gegen all diese Einflüsse ist also schwer anzukommen. Und deshalb muss erst einmal ein hinreichend großer Teil der Bevölkerung aufgeklärt sein, damit der

nötige Druck entsteht, um über Geldalternativen überhaupt ernsthaft nachzudenken. Erst danach könnte der zweite Schritt folgen, nämlich eine breite Diskussion in der Gesellschaft über die Kernprobleme des Geldes und deren mögliche Beseitigung. Versuchen wir also nicht den zweiten Schritt vor dem ersten.

 

In Ihrem Buch geben Sie auch ganzpraktische Tipps für den Anleger. So raten Sie unter anderem zu Investitionen in Sachwerte, also in Immobilien, Edelmetalle und Aktien. D och schützen diese Werte den Anleger wirklich langfristig? Sind sie letztendlich nicht auch Teil des existierenden Geldsystems?

 

Auch da schenke ich den Lesern reinen Wein ein. Nach meiner Einschätzung werden alle Vermögensanlagen im Ernstfall leiden. keine kommt ungeschoren davon. es kommt dann also eher

darauf an, weniger zu verlieren als andere. Und da haben die „wahren Werte“, wie ich sie nenne, eindeutige  Vorteile gegenüber den Anlagen, die bloßes Geldvermögen darstellen. Einen recht guten Schutz bieten außerdem Investitionen in das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten. Die können von keiner Währungsreform zunichte gemacht werden. Und zu guter Letzt sollte man neben allem Grübeln über die richtige Anlagestrategie auch nicht vergessen, sein Geld auszugeben und gut zu Leben. Den dabei erlebten Genuss kann einem ebenfalls niemand mehr nehmen.

Das Interview wurde von Märkte & Zertifikate in der Ausgabe November/Dezember 2013 veröffentlicht.

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